Reise nach Korea - Eine Nacht des Lichts im Jogyesa-Tempel
Haneul
4 days ago
Während einer Reise nach Seoul im Mai entdeckte ich zufällig eines der zauberhaftesten Spektakel, das die koreanische Hauptstadt zu bieten hat: das Lotuslaternenfest im Jogyesa-Tempel. Ich schlenderte durch das lebhafte Viertel Insadong, als ich in der Ferne ein goldenes und rosafarbenes Leuchten bemerkte, das sich deutlich vom Abendhimmel abhob. Neugierig folgte ich diesem Licht, und so fand ich mich im Herzen eines der heiligsten Orte Seouls wieder.
Der Jogyesa-Tempel ist der Hauptsitz des Jogye-Ordens des koreanischen Buddhismus. Mitten im Stadtzentrum gelegen, nur wenige Schritte vom Trubel rund um Gwanghwamun entfernt, ist er eine echte Oase der Ruhe inmitten der Metropole. Doch im Mai, wenn Buddhas Geburtstag (Seokka Tansinil) näher rückt, verwandelt sich dieser spirituelle Ort in eine märchenhafte Kulisse.

Schon beim Betreten des Tempels war ich überwältigt von der schieren Größe des visuellen Spektakels vor mir. Tausende lotusförmige Laternen (rosa, weiß, gelb, grün, blau) bedeckten den gesamten Innenhof, hingen wie ein Himmelsgewölbe in greifbarer Nähe. Jede Laterne trug einen Wunsch, ein Gebet, eine Hoffnung, aufgeschrieben von Gläubigen oder Besucherinnen und Besuchern. Der Gesamteindruck war atemberaubend: Es fühlte sich an, als würde man unter einer mehrfarbigen Galaxie hindurchgehen, eingehüllt in das sanfte Leuchten jeder einzelnen Flamme.
Das Festival findet jedes Jahr in den Wochen vor Buddhas Geburtstag statt (meist Ende April bis Anfang Mai, je nach Mondkalender). Im Jahr 2026 begannen die Feierlichkeiten ungefähr am 8. Mai. Am schönsten sind die Nächte: Wenn die Dunkelheit über Seoul hereinbricht, scheinen die Laternen aufzuflammen und werfen goldene und rosige Lichthöfe über die traditionellen Holzgebäude des Tempels.

Was das Laternenfest noch besonderer macht, ist die Vielfalt der angebotenen Aktivitäten. Die freiwilligen Helferinnen und Helfer des Tempels heißen ausländische Besucherinnen und Besucher mit rührender Herzlichkeit willkommen. Du kannst an Laternen-Bastelworkshops teilnehmen, Tempelküche probieren und buddhistischen Zeremonien beiwohnen.
Ich hatte das Glück, an einem Workshop teilzunehmen und eine kleine Papierlaterne aus Hanji (traditionelles koreanisches Papier) zu basteln. Unter Anleitung einer lächelnden Helferin, die ein paar Worte Englisch sprach, faltete, klebte und schnitt ich, und am Ende hielt ich eine kleine rosafarbene Laterne in den Händen, die ich dann neben die anderen hängte. Dieser einfache Moment gehörte zu den bewegendsten meines Aufenthalts in Korea.
Die Atmosphäre ist zugleich festlich und besinnlich. Man trifft koreanische Familien, die zum Beten kommen, genauso wie Touristinnen und Touristen aus aller Welt, alle am selben Ort versammelt. Außerdem gab es Sängerinnen, Sänger sowie Tänzerinnen und Tänzer, die vor der goldenen Buddha-Statue eine beeindruckende Aufführung darboten, um für festliche Stimmung zu sorgen.

Dieses Festival hat mich daran erinnert, dass die schönste Reise nicht immer die ist, die man geplant hat. Manchmal reicht es, einem goldenen Licht am Nachthimmel von Seoul zu folgen, um etwas Unvergessliches zu finden. Wenn du im Frühling in Korea unterwegs bist, lass dir dieses Erlebnis nicht entgehen. Es wird dich noch lange begleiten, auch nachdem du wieder zu Hause bist.




