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FlagFillIconNow In Korea
Chor als kollektive Gewalt: Nationale Oper von Korea – heimische Premiere von Peter Grimes
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Creatrip Team
20 days ago
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Benjamin Brittens „Peter Grimes“, ein Grundpfeiler der modernen englischen Oper, erhielt am 18. seine erste vollständige inländische Produktion durch die National Opera of Korea – 47 Jahre nach ihrer ersten Einführung in Korea und 81 Jahre nach der Uraufführung 1945. In einem englischen Küstendorf angesiedelt, in dem die Praxis fortbestand, junge Jungen als Lehrlinge aufzunehmen, zeichnet die Oper nach, wie Misstrauen und Gerüchte den Dorfchor in eine lebendige Maschine der Verfolgung verwandeln, die Peter Grimes aufs Meer hinaustreibt. Anders als in typischen, auf Liebe zentrierten Opern fehlen „Peter Grimes“ romantische Arien; stattdessen verkörpern düstere, dissonante Gesänge und ein 54-köpfiger Chor das gemeinschaftliche Urteil und die Gewalt des Mobs. Regisseur Julien Chavaz rahmte das Werk als zeitgenössisches Sozialdrama über Hass, Ausgrenzung und Lynchjustiz, das von Hexenjagden bis zu heutigen Online-Prozessen nachhallt. Die Produktion betonte den Verlust der Individualität des Chors mit einheitlichen Kostümen in Farbverläufen und inszenierte erschütternde Tableaus – das marionettenhafte Schleifen von Grimes und beklemmende Schlussszenen, in denen ihn die Geister der toten Jungen konfrontieren. Kritiker merken an, dass dieser Grimes nicht völlig unschuldig ist: Sein unbußfertiger Ehrgeiz und seine mehrdeutige Schuld stellen einfache Opfererzählungen infrage, spiegeln Brittens Verschiebung von offenem Mord zu schuldhafter Vernachlässigung und überlassen moralische Fragen dem Publikum. Das drehbare, verrostete Schiffs-Bühnenbild der Designerin Amber Vandenhock verwandelte sich in Schenken, Ufer und Grimes’ Zuhause und wurde schließlich geleert, um mit Licht und Rauch das offene Meer anzudeuten. Die Leistungen fielen unterschiedlich aus: Sopranistin Moon Soo-jin stützte die Aufführung als Ellen Orford, Tenor Christopher Ventris hatte seine besten Momente im dritten Akt, und das National Symphony Orchestra unter Alexander Joel erhielt Lob, besonders in den Meereszwischenspielen. Operndirektorin Park Hye-jin nannte das Stück „ziemlich herausfordernd“ und beschrieb interne Vorab-Sitzungen zum Studium – ein Hinweis darauf, dass ein derart anspruchsvolles Repertoire angesichts von Sorgen um die Publikumsresonanz womöglich so bald nicht wieder auf die Bühne zu bringen sein dürfte.
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