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Fünfstündiger Applaus: Koreas umfassende Produktion von Wagners Tristan und Isolde markiert einen MeilensteinCreatrip Team
3 months ago
Tristan und Isolde, Wagners Meisterwerk des 19. Jahrhunderts, erhielt diese Woche seine erste vollständige koreanische Produktion im Seoul Arts Center und zog trotz einer Spieldauer von über fünf Stunden begeisterte Zuschauer an. Die National Opera of Korea und die Seoul Philharmonic koproduzierten die vier Vorstellungen und stellten beachtliches heimisches Können zur Schau: Haupt- und Nebenrollen, Chor und Orchester waren weitgehend koreanisch besetzt. Die doppelt besetzten Isolden boten kontrastierende Stärken – die eine für ihre routinierte Kontrolle gelobt, die andere für überwältigende stimmliche Kraft – während die beiden Interpreten des Tristan gemischte Reaktionen hervorriefen. Koreanische Sänger, namentlich der Bass Park Jong-min als König Marke, erhielten große Anerkennung. Die moderne Inszenierung – die Schiffe und Meere in Raumschiffe und den Ozean in den Weltraum verwandelte, mit Star-Trek-ähnlichen Kostümen und verspiegelten Bühnenbildern – spaltete die Kritiker: Manche fanden sie frisch und relevant, andere meinten, sie schwäche die emotionale Immersion und lenke das Publikum mitunter sogar ab. Die Seoul Philharmonic, nicht spezialisiert auf Opernbegleitung, bewältigte die anspruchsvolle Partitur unter dem Dirigenten Yap Fan Tseveden eindrucksvoll, wenngleich seine zügigen Tempi bei manchen Sängern die Atemkontrolle belasteten. Trotz Vorbehalten gegenüber bestimmten Gestaltungsentscheidungen und Balanceproblemen sehen die Kritiker die Aufführungsserie als bedeutenden Meilenstein, der die Opernproduktionsfähigkeiten Koreas aufwertet und neue Energie für die lokale Opernszene signalisiert.
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